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Mittwoch, 25.04.2018

Im Fokus der Kamera - Salomon Yudovin und die fotografische Erkundung des osteuropäischen Judentums (Hildegard Frübis, Berlin)

Donnerstag 3. Mai 2018 | 13.00 Uhr

SZ 01.18 (Neues Senatssitzungszimmer) |

Universitätsplatz 3/1.OG | 8010 Graz

Die Fotografien von Salomon Yudovin entstanden im Rahmen mehrerer ethnologischer Expeditionen.
Sie führten zwischen 1912 bis 1914 in die jüdischen Kleinstädte (Shtetl) des westlichen Russischen Reiches (Wolhynien und Podolien) und wurden von der „Jüdischen Historischen und Ethnografischen Gesellschaft“ finanziert. Geleitet wurde das Unternehmen von dem populären russisch-jüdischen Schriftsteller und Journalisten Salomon An-Ski (Shlomo Sanwel Rappoport). Ziel dieser Expeditionen war die systematische
Erfassung und Erforschung der russisch-jüdischen Volkskultur. Damit sollte – ganz im Sinne der Haskala – ein Wissensreservoir bereit gestellt werden, dass zur Regeneration des Judentums in der Moderne führen sollte. Mit den Fotografien Yudovins rückte das osteuropäische Judentum in den Fokus der europäischen Wissenschaftsentwicklungen – insbesondere der noch jungen Bildtechnik der Fotografie und ihren wissenschaftlichen Ambitionen. Es entstanden eine Vielzahl von Fotografien in dem Anspruch, die Vielfalt und Diversität einer visuell bislang wenig sichtbar gewordenen Kultur zu dokumentieren. Zugleich wurde das Medium der Fotografie zum Indikator eines Transformationsprozesses, das in zukünftigen Fotokampagnen (Alter Kacyzne, Roman Vishniac) eine zentrale Rolle spielen sollte: Tradition und Moderne, Stadt und Land, Wissenschaft und Lebensalltag treffen im Fokus der Kamera und im Blick des Fotografen aufeinander.
Vorgestellt werden sollen die Fotografien im Blick auf ihre Rolle als Mittler von kulturellen Transformationsprozessen, die in vielfältigen Beziehungen zueinander stehen: Zwischen jüdischen wie nicht-jüdischen Wissenschaftsentwicklungen, als Kontaktzone zwischen Ost und West sowie zwischen Tradition und Moderne.

Hildegard Frübis (PD Dr. habil.) studierte Kunstgeschichte und Ethnologie in Tübingen und
Bologna. Sie promovierte 1993 mit einer Arbeit über die „Entdeckung Amerikas in den Bildprägungen des 16. Jahrhunderts“ (Berlin: Reimer 1995). Die Habilitation folgte im Februar 2005 an der Humboldt- Universität Berlin („Die Illustrationen Max Liebermanns zu Heinrich Heines „Rabbi von Bacherach“. Bilder der Jüdischen Moderne im Kontext von Judenfrage und Kunstwissenschaft“). Verschiedene Gast- und  Vertretungsprofessuren  im In- und Ausland sowie Forschungsstipendien (Gerda Henkel-Stiftung 2014/18), 2015- 2017 Lise-Meitner Stelle am Centrum für Jüdische Studien, Karl-Franzens-Universität Graz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die Kunst der Frühen Neuzeit und der Moderne; Gender- und Postcolonial Studies in den Bildkünsten, Fotografiegeschichte, Kunst und Kunstdiskurs der Jüdischen Moderne.

Information:
Karl-Franzens-Universität Graz
Centrum für Jüdische Studien
Beethovenstraße 21/EG, 8010
Graz
office.cjs(at)uni-graz.at
juedischestudien.uni-graz.at

 

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