Das im Alten Testament ausgesprochene Bilderverbot wurde im Laufe der folgenden Jahrtausende von den abrahamitischen Religionen unterschiedlich gehandhabt. Während sich das Christentum in dieser Frage früh spaltete, blieb es in Islam und Judentum bis etwa zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbindlich. Die einsetzende Ausdifferenzierung dieser beiden Gemeinschaften in Orthodoxe und Reformfreudige widerspiegelte sich auch in der Haltung zur figürlichen Repräsentation. Während erstere am Verbot festhielten, öffneten sich letztere den modernen Visualisierungstechniken in der Darstellenden Kunst, der Fotografie und im Film. Während die Akzeptanz der Darstellenden Kunst im Reformjudentum auch auf dem Balkan gut verfolgbar ist, stellt die Rezeption von Fotografie und Film noch ein relativ unerschlossenes Forschungsfeld dar.
Karl Kaser ist seit 1996 Professor für Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie an der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit seiner Habilitation (1985)befasst er sich mit der Geschichte von Familie und Geschlechterbeziehungen sowie, neuerdings, mit visuellen Kulturen auf dem Balkan. Seine jüngste Monografie: „Hollywood auf dem Balkan. Die visuelle Moderne an der europäischen Peripherie“ (2018)