Mittwoch, 4. März 2026 | 9:00 Uhr
Bibliothek des CJS | Beethovenstraße 21 | 8010 Graz
Geschlecht–Antisemitismus–Faschismus. Gemeinschaft und Othering in deutschen, österreichischen und italienischen Frauentagebüchern (1930er–1940er Jahre)
Dieses Projekt analysiert die Wechselbeziehung zwischen Geschlecht, Antisemitismus und Faschismus in drei europäischen Gesellschaften – jenen Deutschlands, Italiens, und Österreichs – im Zeitraum von den 1930er bis zu den 1940er Jahren anhand von Tagebüchern sowohl jüdischer als auch nicht-jüdischer Frauen. Es ist als eine subjektive kollektive Geschichte, die Verständnisse von Gemeinschaft und Othering, Identität und (Nicht-)Zugehörigkeit, Exklusion und Inklusion in den sozialen Prämissen der Shoa, d. h. (noch) außerhalb der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager, beleuchtet. Alle drei Begriffe – Antisemitismus, Faschismus, Geschlecht – werden als grundlegende Bestandteile der Konstruktion ausgrenzender Ideologien und als Formen der Machtdemonstration verstanden. Sie werden durch eine breite und vergleichende empirische Analyse, die sich mit deren gelebten Erfahrungen, Wahrnehmungen und Erscheinungsformen befasst, überprüft und erweitert.
Der Vergleich erfolgt in der Studie sowohl auf der Ebene der Tagebuchanalyse als auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Kontexte, in denen die Tagebücher verfasst wurden. NS-Deutschland (1933–1945) steht dabei im analytischen Zentrum, aufgrund seiner zentralen Rolle bei der Konzeption und Durchführung der Vernichtung der europäischen Jüdinnen:Juden sowie der Radikalität der Ausgrenzung und Verfolgung der Jüdinnen:Juden seit der Machtergreifung. Italien wird sowohl während der faschistischen Diktatur (1922–1943) als auch in der Zeit der NS-Besatzung/Repubblica di Salò (1943–1945) betrachtet. Die österreichische Fallstudie weist sowohl spezifische Merkmale auf, als auch eine enge Verbindung zu den deutschen und italienischen Modellen. Die österreichischen Tagebücher werden sowohl im Rahmen der autoritären und diktatorischen Phase des Ständestaates/„Austrofaschismus“ (1933/34–1938) als auch nach dem „Anschluss“ an das „Dritte Reich“ analysiert.
Teresa Malice ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Universität Bielefeld. Derzeit arbeitet sie an einer Tagebuchgeschichte zu Gender, Gemeinschaft und Gewalt in faschistischen Gesellschaften und untersucht dabei Dutzende von Frauentagebüchern, die zwischen den 1920er und 1950er Jahren in Deutschland, Italien und Österreich geschrieben wurden (Arbeitstitel: „Gender, Gemeinschaft und Gewalt in faschistischen Gesellschaften“). Im März 2026 ist sie Conny-Kristel Fellow am Centrum für Jüdische Studien und am Wiener Wiesenthal Institut.