Donnerstag 17. März 2022| 18.00 Uhr (MEZ), 19.00 Uhr (Jerusalem Time)
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Im Jahr 2019 – nach langwierigen Gerichtsprozessen um den Nachlass Franz Kafkas – konnte eine Delegation der Nationalbibliothek Jerusalem in einem Banksafe in Zürich einen Sensationsfund zu Tage fördern. Unter den erwartbaren Manuskripten fanden sich auch über Hundert bis dato unbekannte Originalzeichnungen des Autors, größtenteils auf Einzelblättern, Papierausschnitten und beschrifteten Zetteln.
Der Literaturwissenschaftler und Herausgeber des grafischen Gesamtwerks Kafkas in Buchform Andreas Kilcher rekonstruiert gemeinsam mit dem Archivar der Nationalbibliothek Stefan Litt die abenteuerliche Überlieferungs- und Publikationsgeschichte der Zeichnungen. Im Gespräch soll es um Kafkas Affinität zur bildenden Kunst und um den intrikaten Zusammenhang von Bild und Schrift in dessen Textproduktion gehen, den die Funde nahelegen. Zieht ein derartiges ‚Zu-Fallen‘ neuer Bestände und Materialien eine Umordnung des Autor-Archivs nach sich? Und modifiziert es eingeführte Vorstellungen von Werk und Poetologie Franz Kafkas?
Vortrag: Stefan Litt (Israelische Nationalbibliothek Jerusalem) und Andreas Kilcher (ETH Zürich)
Kommentar: Cornelia Ortlieb (Freie Universität Berlin)
Moderation: Anne-Kathrin Reulecke (Karl-Franzens-Universität Graz)
Stefan Litt ist habilitierter Historiker und Judaist, Kurator für allgemeine Geisteswissenschaften und Archivar an der Israelischen Nationalbibliothek Jerusalem. Zuletzt wurde von ihm herausgegeben: Stefan Zweig: Briefe zum Judentum. Berlin: Suhrkamp 2020.
Andreas Kilcher ist Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft an der ETH Zürich. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Enzyklopädik der Literatur von 1600 bis 2000, ästhetische Praktiken der Kabbala und die deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte.
Cornelia Ortlieb ist Professorin für Neuere deutsche Literatur mit einem Schwerpunkt in der Literatur der Klassischen Moderne an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsgebiete umfassen die Literatur des 18. Jahrhunderts, Materialität der Literatur- und Wissensgeschichte, das ‚Denken auf Papier‘ sowie Avantgarde-Schreibweisen im Nouveau Roman.
Anne-Kathrin Reulecke ist Universitätsprofessorin für Neuere deutschsprachige Literatur am Institut für Germanistik der Karl-Franzens-Universität Graz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Theorien der Autorschaft, Literatur und Intermedialität, Literatur-/Kulturtheorien des 20. Jahrhunderts.
Gesamtfolder Veranstaltungsreihe
Folder Fundstücke und Kontext: Franz Kafkas Zeichnungen
Eine Kooperationsveranstaltung des Centrums für Jüdische Studien der Karl-Franzens-Universität Graz, der Israelischen Nationalbibliothek und des Instituts für Germanistik der Karl-Franzens-Universität Graz