Antisemitismus links-rechts-mittig? Zur Begriffsverwirrung in den gegenwärtigen Debatten über linken Antisemitismus
Vortrag von Ulrich Wyrwa (Universität Potsdam)
Dienstag, 14 April 2026 | 13:30 Uhr
Bibliothek des CJS | Beethovenstraße 21 | 8010 Graz
Zu den Verwirrungen des 21. Jahrhunderts gehören nicht zuletzt sprachliche Umwertungen. Worte verdrehen ihren Sinn, ihre Bedeutungen verkehren sich in ihr Gegenteil. Fakten werden als Fiktion, Fiktionen als Fakten ausgegeben. Sprachliche Umkehrungen und rhetorische Strategien der Verkehrung werden zudem genutzt, um politische Ziele zu erreichen.
Die Begriffsverwirrungen der Gegenwart schlagen auch auf das Feld der Antisemitismusforschung und die Abwehr des Antisemitismus durch. Nach den islamistischen Anschlägen in Europa und Amerika stand noch die verquere Frage über importierten versus reimportierten Antisemitismus im Vordergrund. Bald verschob sich die Debatte auf das Verhältnis von Antisemitismus und Antizionismus. Versuche durch trennscharfe Definitionen Klarheit zu schaffen, brachten jedoch eine neue Unübersichtlichkeit und Unerbittlichkeit hervor.
Mit dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 wiederum und den Verharmlosungen oder Relativierungen der bestialischen Brutalität, wie sie in Teilen des linken politischen Lagers zu beobachten war, nahm die Debatte noch einmal eine neue Wendung; in den Focus rückte nun der Topos Linker Antisemitismus.
Um ein wenig historische Urteilskraft in die verworrenen Debatten um den linken Antisemitismus zu bringen, sollen in dem Vortrag einige Schlaglichter auf dessen Entstehung und Entwicklung und die Debatten innerhalb der Linken über den Antisemitismus geworfen werden.
Wyrwa, Ulrich, Professor für neuere Geschichte an der Universität Potsdam i. R., Senior Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin und Redaktionsmitglied der Zeitschrift Quest. Issues in Contemporary Jewish History.
Eine Veranstaltung des Centrums für Jüdische Studien der Universität Graz