Wo liegen die Ursachen des Antisemitismus? Wie kam es dazu, dass im 19. Jahrhundert eine neue Form von Judenfeindschaft entstand? Welche Rolle spielten die gesellschaftlichen Konflikte dieser Zeit? Worin bestanden die Besonderheiten des deutschen Antisemitismus? Die Methode des historischen Vergleichs sowie die von Pierre Bourdieu entwickelte Theorie des Feldes für die Antisemitismusforschung aufgreifend geht Wyrwa diesen Fragen am Beispiel von Deutschland und Italien zwischen 1870 und 1914 nach.
Antisemitismus, so ein Ergebnis der Studie, war Symptom einer totalen Anti-Haltung gegen die gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit. Juden wurde die Schuld an allen damit verbundenen Problemen aufgebürdet. Die Projektion der sozialen Verwerfungen und mentalen Verunsicherungen auf die Juden führte zu einem antisemitischen Fanatismus, der in die Kämpfe um kulturelle Hegemonie auf den verschiedenen gesellschaftlichen Konfliktfeldern einging. Der Vergleich wirft dabei ein neues Licht sowohl auf das Deutsche Kaiserreich als auch das liberale Italien. Weder war die deutsche Gesellschaft von einem allgewaltigen Antisemitismus durchdrungen noch war die italienische Gesellschaft frei von Antisemitismus.
Wann: Donnerstag, 21. Jänner 2016, 19:00 Uhr
Wo: SR. 39.41 | Attemsgasse 8/DG | 8010 Graz
Ulrich Wyrwa ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam und wissenschaftlicher Leiter der europäischen Forschungskollegs zur Entstehung und Entwicklung des Antisemitismus in Europa (1879-1914/1914-1923) am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Er war Gastprofessor am Fritz Bauer Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main, am Centrum für Jüdische Studien der Karl-Franzens-Universität Graz und am Richard Koebner Minerva Zentrum für Deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem.
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Eine Veranstaltung im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Kultur- und Deutungsgeschichte Europas